Uganda-Info
Mehr als alle anderen Länder in Afrika ist Uganda ein Beispiel dafür geworden, dass Präventionsmaßnahmen zu Verhaltensänderungen führen können, die die HIV-Infektionsraten sinken lassen. Noch Anfang der 90er Jahre war Uganda geradezu ein Symbol für die Aids-Katastrophe in Afrika. Die durchschnittliche Rate der Infizierten unter den Erwachsenen hatte 14 Prozent erreicht. Die Medien berichteten über fast ausgestorbene Dörfer vor allem im Südwesten von Uganda, über Großeltern mit zahllosen Waisenkindern und über ein Land nah am Zusammenbruch. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich aber bereits eine Front zur Bekämpfung von Aids aufgebaut. Staatspräsident Museveni hatte Aids zur Chefsache erklärt und ließ keine Gelegenheit aus, vor den Folgen dieser Krankheit zu warnen. Aids erhielt oberste Priorität in allen Regierungsaktivitäten von der Dorfebene bis zur nationalen Politik. Einer der Hauptgründe für den späteren Erfolg lag darin, dass die Tabuisierung und Geheimniskrämerei, die diese Krankheit umgeben, gebrochen werden konnte. Menschen konnten offen über Aids und Sexualverhalten sprechen, Aids Kranke mussten sich nicht verstecken, sondern konnten Selbsthilfegruppen gründen. Beispielhaft war in Uganda auch die Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Regierung. Seit 1995 leitete ein Bischof die nationale Aids-Kommission, die direkt dem Staatpräsidenten untersteht. Uganda setzte von Anfang an auf ein Kombination aus verschiednen Methoden zur Verhaltensänderung: Information und Aufklärung, Kleingruppengespräche in den Dörfern, nationale Kampagnen und ein breites Angebot, sich beraten und auf HIV testen zu lassen. Als vorbeugende Maßnahmen wurden genannt: zeitweilige Abstinenz, Reduktion der Zahl der Sexualpartner und der Gebrauch von Kondomen. Alle drei Optionen werden inzwischen nachweislich praktiziert. In Uganda hat sich das Sexualverhalten insbesondere der Jugendlichen drastisch verändert. Der sexuelle Erstkontakt hat sich auf ein späteres Alter verschoben. Hatten 1989 noch 50 Prozent aller 15-jährigen Jungen und Mädchen bereits sexuelle Erfahrungen gemacht, waren es 1995 nur noch 25 Prozent. Diese Verschiebung schützt die Jugendlichen genau in dem Alter, in dem sie am stärksten durch eine HIV-Infektion gefährdet sind. Die Zahl der wechselnden Sexualpartner ging ebenfalls zurück, gleichzeitig wurden Kondome häufiger genutzt und das Wissen über HIV/Aids stieg bis heute an. Das Ergebnis all dieser Anstrengungen war, dass sich die Infektionsrat in Uganda seit dem Jahr 2007 auf 6-7 % eingependelt hat. Heute liegen die Probleme Ugandas in der Bekämpfung von HIV/Aids darin, den Zugang zu den lebenswichtigen Medikamenten allen, die es nötig haben, zur Verfügung zu stellen. Dies ist eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem Ugandas. Zudem gibt es unter den Neuinfektionen der letzten Jahre besonders viele Witwen und Verheiratete. Hier müssen noch verstärkt Anstrengungen in der Aufklärungsarbeit unternommen werden. Quelle: UNAIDS: Aids Epidemic Update vom 31.11.2009 sowie Christoph Benn: Erfolg ist machbar. In: Aktionsbündnis gegen Aids. Das Schweigen brechen, Breklum 2001, S. 44f.